Quickribbon
Main
Sonntag
Dez102006

Das Elektroauto aus der Sicht der Autoindustrie

General Motors, Ford, Honda, Chrysler, Nissan, und Toyota haben unter dem Druck des kalifornischen Zero Emission Mandats sehr brauchbare Elektroautos entwickelt und einige hundert Stück produziert. Nur wenige Fahrzeuge wurden jedoch verkauft. der Großteil wurde befristet verleast, damit die Hersteller die Kontrolle über die Fahrzeuge behalten konnten und Garantieansprüche und Anspruch auf Lieferung von Ersatzteilen (in Amerika besteht dieser Anspruch für 12 Jahre ab Verkaufsdatum des Fahrzeugs) von vornherein ausgeschlossen war. Dementsprechend wurden nach dem Auslaufen des Zero Emission Mandats die Leasingverträge gekündigt und ein Grossteil der Fahrzeuge zurückgeholt und die meisten verschrottet. Nur heftigen Widerstand der interessierten Öffentlichkeit ist es zu verdanken, dass ein Teil der Fahrzeuge in den Händen zufriedener Benutzer überlebt hat.

Nicht nur dieses traurige Ende ist bemerkenswert. Die Autoproduzenten haben von Anfang nichts dazu getan, ihren Elektrofahrzeugen einen erfolgreichen Start am Markt zu ermöglichen. Es gab so gut wie keine Werbung, die Händler hatten kaum Informationen und die Fahrzeuge wurden nur in einem begrenzten Gebiet in Kalifornien zum Leasing angeboten.  Wer zum Zug kam, musste zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und Glück haben. Es gab immer mehr Bewerber als Fahrzeuge. - Das zum Thema mangelnde Nachfrage, das von der Industrie als Argument gegen die Elektrofahrzeuge immer ins Treffen geführt wird. 

einstein-avatar-120x65.jpgWarum diese Abstinenz? Elektrautos gefährden die Gewinne der auf Verbrennungsmotoren ausgerichteten Autohersteller. Die Entwicklung ist angeblich exorbitant teuer. General Motors behauptet, dass die Entwicklung des EV1 eine Milliarde Dollar gekostet hat.   Die Entwickung immer neuer Varianten herkömmlicher Modelle (zur Ankurbelung der Nachfrage durch Scheininnovation) ist natürlich viel billiger.

Elektroautos erzeugen keine neuen Stückzahlen, sondern ersetzen nur andere Autos, deren Umsatzanteil wegfällt. Aber sie erzeugen eine neue Nachfragestruktur. Studien haben gezeigt, dass Elektroautofahrer weniger oft und weniger weit fahren und dass sie ihr Auto länger nutzen, als der durchschnittliche Autofahrer, der sein Fahrzeug nach 4 Jahren wechselt.  

Ausserdem fällt ein erheblicher Teil des Ersatzteil und Reparaturgeschäfts weg. Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel, keine Filter und Zündkerzen. Durch die Motorbremse, die gleichzeitig Strom in die Batterie zurückspeichert, wird das mechanische Bremssystem geschont, es werden weniger Bremsbeläge verbraucht. Auspuffsystem mit Katalysator, sowie Wasserkühlung und Tankanlage mit Pumpen und Filtern entfällt.  Und der Elektromotor hat unvergleichlich weniger Verschleissteile als ein Kolbenmotor, die kaputt gehen können und ersetzt werden müssen.

Die potentielle Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit der Elektroautos wäre ein Plus für die Verbraucher und ein zu verkraftender  Verlust für die Autohersteller.

Es wäre dringend geboten, dass die grossen Hersteller jetzt in diesen Zukunftsmarkt einsteigen und aufhören die Öffentlichkeit mit vorgeschobenen Argumenten abzuspeisen (mangelnde Nachfrage, Unlösbare Batterieprobleme, Warten auf die Wasserstofftechnologie). und die Entwicklung auf die lange Bank zu schieben. Das Elektroauto wird kommen, die Zeit ist reif …

Auch in anderen Märkten hat es einen gewaltigen Anpassungsdruck gegeben, den die Industrie im wesentlichen geschafft hat. Untergehen werden die Anpassungsunwilligen, andere werden neue Techniken und Märkte für sich gewinnen. Alle haben (noch) die gleiche Chance.

Zurück zur Startseite > 

Reader Comments (1)

Ja, leider ist es genau so! Die Argumente der Autoindustrie sind sowiso nicht haltbar! Es braucht nichts mehr entwikelt werden - es ist schon alles da. Man brauch die Teile nur nehmen und "zusammenschrauben".

10-31-2008 | Unregistered CommenterKelomat

PostPost a New Comment

Enter your information below to add a new comment.

My response is on my own website »
Author Email (optional):
Author URL (optional):
Post:
 
Some HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>